Es gab sie ja schon immer, die durchs Dorf getriebenen Säue, üblicherweise bei Abmahnungen, und sie waren nicht selten berechtigt. Aber entweder ist der Ton fundamentalistischer, sind die Anlässe nichtiger oder bin ich ungeduldiger geworden - die Hysterie von Teilen der Blogosphäre geht mir zunehmend auf den Geist.
Das war zum Beispiel kürzlich so beim »inneren Reichsparteitag« der Moderatorin Müller-Hohenstein, bei dem es Einige nicht unter Naziskandal und öffentlicher Entschuldigung machen wollten, und das war gerade so beim Verschwinden des Blogs »Ctrl-Verlust« von mspro, das er für die FAZ geführt hat (Überblick bei Rivva).
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Ein Nachtrag zum letzten Artikel über den kleinen, aber ziemlich großen Unterschied zwischen dem datensammelnden Staat, datensammelnden Unternehmen und datenfreigiebigen Nutzern: Auf der Titelseite der aktuellen »Zeit« (mittlerweile online) plädiert Heinrich Wefing für mehr Regulierung des Netzes (und speziell von Google). Der Lead lautet:
»Dem Staat nehmen wir eine Volkszählung übel, aber Internet-Giganten erlauben wir jeden Zugriff. Warum bloß?«
Ziemlich steile These in jenem Land, in dem wohl am heftigsten von allen gegen den Internet-Giganten Google gewettert und durchaus auch vorgegangen wird. Und das gilt nicht nur für die Politik. Von Teilen der sogenannten Netzgemeinde, der Wefing eine »einseitige Fixierung auf den Staat« vorwirft, werden Google, Facebook und Apple schon deutlich länger (und deutlich fundierter) kritisiert.
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Der Titel »Nachrichten aus dem Netz«, den eine Rubrik im Feuilleton der »Süddeutschen Zeitung« trägt, passt zu jener Perspektive, mit der viele deutsche Medien noch immer alles betrachten, was im Internet geschieht. »Nachrichten aus dem Netz«, das klingt nach Terra Incognita, das müssen wohl Nachrichten sein, die von sich wagemutig ins Herz der Finsternis vorwagenden Reportern nach Hause gesendet werden; und froh darf man sein an Tagen, an denen es in all den Wirrnissen keine Vermißtenmeldungen oder Übermittlungsschwierigkeiten gegeben hat.
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Früher war alles besser, und in diesem Jahr war früher alles besonders viel besser, scheint’s: Volksparteien, die keine mehr sind, versuchen, die Zeit der Autobauernation zu konservieren, wir müssen wieder diese Atomdiskussion führen, obwohl sich prinzipiell alle recht einig sind, und immer mehr Verleger sind der Meinung, wenn man es sich nur fest genug wünsche, klappe das auch mit diesem Paid Content im Netz.
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Ich habe schon immer taktisch gewählt. Äußerst mißtrauisch ging meine Stimme an den laut Umfragen kleineren Partner einer Koalition, damit deren Teile ausgewogener wurden; oder an eine Partei, die aller Voraussicht nach zwar ins Parlament, aber nicht in Regierungsverantwortung geriet, auf daß es eine möglichst starke Opposition gebe; und im Zweifel immer an eine der kleineren Parteien, die sich sinnvolle Forderungen erlauben konnten, weil sie es nicht einem ganzen Volk rechtmachen wollten. Grundsätzliche Kritik an taktischer Wahlmotivation kann ich nicht nachvollziehen, Parteientreue roch mir immer etwas muffig. Alles Handeln von Politikern vor und nach einer Wahl besteht aus Taktieren - wieso genau soll ich mich da zurückhalten?
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Vor zwei Jahren habe ich mein kleines Medienblog auslaufen lassen, ohne große Worte und eigentlich auch ohne Absicht. Das Bloggen für imgriff.com und das inzwischen leider verblichene medienlese.com brauchte die Aufmerksamkeit und brachte den Spaß. Das ist immer noch so, aber in den letzten Monaten wurde das Bedürfnis nach einem eigenen, privaten Blog immer größer. Da ist zuviel, was mir unter den Nägeln brennt. Mehrere Dokumente des Zorns mit halbfertigen Texten zum »Zugangserschwerungsgesetz« liegen auf meinem Rechner herum und konnten nirgendwohin, und vor der Wahl am Sonntag werde ich noch etwas über die Piratenpartei loswerden müssen. Ein Politikblog wird das hier trotzdem nicht werden. Und auch kein Medienblog wie damals, obwohl es sicher ab und an um Medien gehen wird. Es wird ganz einfach um alles gehen. Und garantiert auch mal ein paar Wochen Stille geben, wenn ich keine Zeit hierfür finde. Ein richtig schön ignorantes Privatblog eben.
* * *
Das alte Blog übrigens werde ich demnächst (sobald ich herausgefunden habe, was in Dreiteufelsnamen ein »Fax« ist) mal zu einem anderen Provider umziehen, aber sonst soll nichts weiter damit passieren: Es wird so abrupt beendet, wie es ist, online bleiben.
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