Florian Steglich

 
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Surprise, Surprise.

Ich bin dem Zeit-Magazin seit ein paar Jahren in treuer Enttäuschung verbunden. Das publizistische Konzept des Zeit-Magazins und ich leben auf verschiedenen Planeten, jedenfalls erinnere ich mich nicht, wann mich ein Artikel darin (geschweige denn ein Foto) zum letzten Mal überrascht (geschweige denn berührt) hat. Der Text »Mein armes Amerika« von Jana Simon im aktuellen Heft (44/2011, sieben Seiten) ist ein prima Beispiel für dieses stets Unüberraschende.

Jana Simon nämlich hat sieben Monate in Los Angeles gelebt und dabei die folgenden 24 Entdeckungen gemacht: 

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Jetzt damals.

Heute liegt ein jetzt-Magazin in der Süddeutschen Zeitung. 9 Jahre und ein paar Tage nach der Einstellung des Heftes. Da gönne ich mir in der Mittagspause mal einen Moment Sentimentalität, denn das jetzt:-Ende 2002 war so eine Art netzkulturelle Initiation für mich. Ich saß alleine im Dachzimmer vor dem blaugrauen Power Mac G5, fand die Entscheidung der Gesellschafter des Süddeutschen Verlags falsch und klöppelte mit Hilfe von SelfHTML eine Website mit Pressespiegel, Protestaufrufen und Newsletter zusammen. Und dann war ich sehr schnell nicht mehr alleine. Es kamen Mails aus der jetzt:-Redaktion, andere, schon vorhandene Protest-Websites nahmen meine auf, neue kamen hinzu, Online-Medien berichteten, jetzt.de-User trommelten. Wir waren sauer. Und ich hatte die Link Economy begriffen.

So sah das aus:

Jetzt_erst_recht

(Ich schätze, ich habe Stunden mit der Überlegung verbracht, ob ich »10.000« oder »10,000«, »16.07.2002« oder »16_07_02« schreiben soll.)

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Keep calm and make things

Es gab sie ja schon immer, die durchs Dorf getriebenen Säue, üblicherweise bei Abmahnungen, und sie waren nicht selten berechtigt. Aber entweder ist der Ton fundamentalistischer, sind die Anlässe nichtiger oder bin ich ungeduldiger geworden - die Hysterie von Teilen der Blogosphäre geht mir zunehmend auf den Geist. 

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Der kleine Unterschied.

Der Titel »Nachrichten aus dem Netz«, den eine Rubrik im Feuilleton der »Süddeutschen Zeitung« trägt, passt zu jener Perspektive, mit der viele deutsche Medien noch immer alles betrachten, was im Internet geschieht. »Nachrichten aus dem Netz«, das klingt nach Terra Incognita, das müssen wohl Nachrichten sein, die von sich wagemutig ins Herz der Finsternis vorwagenden Reportern nach Hause gesendet werden; und froh darf man sein an Tagen, an denen es in all den Wirrnissen keine Vermißtenmeldungen oder Übermittlungsschwierigkeiten gegeben hat.

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The Vertical Newspaper.

Früher war alles besser, und in diesem Jahr war früher alles besonders viel besser, scheint’s: Volksparteien, die keine mehr sind, versuchen, die Zeit der Autobauernation zu konservieren, wir müssen wieder diese Atomdiskussion führen, obwohl sich prinzipiell alle recht einig sind, und immer mehr Verleger sind der Meinung, wenn man es sich nur fest genug wünsche, klappe das auch mit diesem Paid Content im Netz.

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